Bin ich zu schwer um Flyer zu sein?

Oktober 23, 2013 at 12:00 pm

Eine der wohl meistgestellten Fragen von vor allem jungen Mädchen, die mit dem Cheerleading erst anfangen. Internetforen und Facebookseiten sind voll von Diskussionen darüber, wie viel man denn nun wiegen darf, um Flyer zu sein.

Vorab: Der Frage, warum so viele am Anfang ihrer Cheerleader-Karriere denken, Flyer sei die einzig wahre Position und ob sie damit richtig liegen werden wir uns in einem separaten Artikel widmen.

Jetzt aber zum Gewicht. Wir haben da mal eine Tabelle mit akzeptablen Größen- und Gewichtsverhältnissen erstellt…
Nein, haben wir natürlich nicht! Warum nicht? Weil es absoluter Unsinn wäre.

Gute Flyer brauchen Muskeln

Und mit Muskeln ist hier nicht ein schönes Sixpack gemeint, sondern wirklich Kraft in den Armen, Beinen, Schultern, Mittelkörper,… eigentlich überall.
Nur Flyer, die ihr Gewicht selbst halten können, sind in der Lage, sich wirklich abzudrücken, mit Kraft aufzustehen und ihre Körperpositionen zu halten. Wie oft sieht man spindeldürre Miniflyer, denen einfach das Knie einknickt oder die in der Luft herumwedeln, wenn der Stunt wackelt? Je mehr Kraft und damit Körperkontrolle ein Flyer hat, desto eher kann er den Stunt retten, indem er maximal angespannt bleibt.
Ein gut durchtrainierter Flyer wird automatisch mehr Gewicht auf die Waage bringen, als ein Flyer, der zum ersten Mal in seinem Leben Sport zu machen scheint.

Kleinmädchen-Syndrom

Wer Base ist und schon etwas länger Cheerleading macht, wird es sicher schon oft erlebt haben, das Kleinmädchen-Syndrom. Es trifft oft kleine und besonders leichte Flyer, die sich darauf ausruhen, dass alle ihnen sagen, wie klein und leicht sie sind.
Das Ende vom Lied ist dann, dass die Bases das Gefühl haben mit einer weichen Nudel zu stunten, die ihr Gewicht kein bisschen selbst hält, geschweige denn sich wirklich abdrückt und aufsteht.
Das kann soweit gehen, dass solche Flyer für ihre Bases wesentlich schwerer zu stunten sind, als diejenigen, die wissen, dass sie mitarbeiten müssen, weil sie nicht untergewichtig sind.

Das soll nicht heißen, dass kleine leichte Flyer keine guten Flyer sein können. Aber für sie gelten die gleichen Regeln, wie für alle anderen auch:

Was macht denn jetzt einen guten Flyer aus?

Ein guter Flyer ist wirklich gut gedehnt. Aber die beste Dehnung bringt nichts, wenn man nicht in der Lage ist, die Bodypositions zu halten. Dafür braucht man Kraft!
Allerdings helfen einem Dehnung und Kraft auch nur bedingt weiter, wenn man kein Gefühl für sich und seinen Körper in der Luft hat. Ein guter Flyer braucht also auch die Fähigkeit, seinen Körperschwerpunkt zu halten und zwar auch dann, wenn Bodypositions gezogen oder gewechselt werden (z.B. bei Ticktocks), bei Abgängen, bei Aufgängen, im Prinzip immer. Sobald der Flyer sich z.B. beim Ziehen eines Scorpions zur Seite oder nach vorne lehnt, fängt der Stunt an zu wackeln, die Bases müssen laufen und schon hat man sich einen Punktabzug eingefangen.
Für Baskets besonders wichtig ist außerdem die sogenannte Air Awareness, die Fähigkeit, seinen Körper in der Luft wahrzunehmen, also zu wissen, wann man wo ist, wenn man einen Backtuck oder Schwierigeres zieht.
Zu guter Letzt besonders wichtig: Ein guter Flyer braucht Mut und Vertrauen. Mut um neue Stunts auszuprobieren und Vertrauen sowohl in sich als auch in die Bases, um nicht mittendrin auszufreaken und abzubrechen. Ein zweifelnder, ängstlicher Flyer bedeutet oftmals ein stark erhöhtes Verletzungsrisiko für die Bases und letztlich auch für sich selbst. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ein Flyer in der Lage ist, sich auf den Punkt zu konzentrieren und sein Ding durchzuziehen.

Das alles sind nicht unbedingt angebohrene Fähigkeiten. Man muss sie trainieren. Das wiederum dauert natürlich seine Zeit. Insofern ist es völlig in Ordnung, wenn ihr neu seid und noch nicht alles davon beherrscht.
Wichtig ist nur, dass ihr nicht einer Zahl auf der Waage hinterher lauft oder euch darauf ausruht, denn das ist tatsächlich der unwichtigste Faktor von allen, wenn es darum geht ein guter Cheerleader zu sein.