[Rant] Practice Wear Albträume

November 17, 2014 at 2:37 pm

practice wear y u no– oder wie ich auf der Suche nach Trainingssachen fast verrückt wurde

Ich bin diejenige, die sich bei uns im Team um Design, Auswahl und Organisation der Uniformen und Trainingsklamotten kümmert. Wenn ihr bei euch im Team ähnliche Aufgaben habt, wisst ihr wahrscheinlich auch, wie schwierig es sein kann, etwas Schönes, Modernes zu einem vernünftigen Preis zu finden.
Mir war auch klar, dass es nicht so ganz trivial sein würde, etwas Passendes für uns zu finden aber dass es so irre werden würde, hätte ich auch nicht gedacht.

Es fing damit an, dass wir vor ein paar Jahren auf Sublimationsdruck umsteigen wollten. Das ist ein Druckverfahren, bei dem die Tinte direkt in den Stoff eingebracht wird, was den Druck sehr langlebig macht und einem außerdem eine Menge Freiheiten beim Design gibt (manchmal sind diese Freiheiten aber auch ein Risiko, wenn man sich die wirren Allover Prints einiger amerikanischer Teams anschaut aber zu dem Thema vielleicht ein ander mal mehr). Jedenfalls dachten wir uns: Toll! Farbverläufe, Drucke die bis an den Rand gehen und das ganze Kleidungsstück nutzen,… fantastisch!

Das erste Set bestehend aus Bra, Shorts, Shirts und Tanktops bestellten wir in den USA. Die Preise waren günstig. Das spiegelte sich dann leider auch im Service und vor allem in der Qualität wider. Die Größen waren völlig wirr, die Hälfte der Sachen passte nicht und Zoll- & Steuerabwicklung waren auch eine nicht zu unterschätzende Arbeit.

Zwei Jahre später bestellten wir (diesmal nur Bras und Shorts) über Deutschland bei einer englischen Firma. Die Betreuung durch unseren deutschen Berater war sensationell. Alles lief super. Es gab Größenmuster und keinerlei Problem. Der Druck war fantastisch. Was nicht stimmte, war der Schnitt. Die Träger der Bras warfen Falten, die Hosen waren vorne zu lange bzw. hinten zu kurz. Alles in allem aber konnte man das trotzdem in Kauf nehmen. Es sah gut aus von außen. Nur war es nicht sonderlich bequem, so dass die Sachen praktisch nur zu offiziellen Auftritten getragen wurden. Bei Preisen vom um die 35€ aufwärts pro Teil, finde ich das suboptimal.

Nun sollte es wieder eine Nachbestellung geben. So entschieden im Sommer. Seitdem bin ich nicht fündig geworden.
Egal bei welchem Anbieter ich anfrage und mir Muster schicken lasse: Entweder der Druck stimmt nicht oder der Schnitt ist off. Einmal stimmte beides. Und dann erfuhr ich, dass der Stückpreis bei um die 60€ lag. Ich hoffe noch inständig, dass es hier Mengenrabat gibt. Wenn ja, werde ich in einer Fortsetzung berichten und laut jubeln. 😉

Und hier beginnt mein eigentlicher Rant:

Es gibt doch nun wirklich bewährte Schnitte, die millionenfach gekauft und geliebt werden, z.B. Nike Pro Shorts oder Bras, meinetwegen auch H&M Sachen. Wieso lehnt man den eigenen Schnitt nicht einfach daran an? Das würde dabei helfen die Kapitalfehler bei der Schnittführung zu vermeiden:

1. Bra ist zu lang
Viele Bras scheinen schnitttechnisch nur gekürzte Tanktops zu sein. Das führt dazu, dass sie eine seltsame Zwischenlänge haben und irgendwo zwischen Brust und Bauchnabel enden. Das wiederum bewirkt, dass die Mädels anfangen, den Bund einzuschlagen. Der Bund ist allerdings auch bedruckt und gehört zu Design! Ich möchte nicht, dass der eingeschlagen wird.

2. Bra hat zu enge Ausschnitte für die Arme
Dieses Problem scheint auch daraus zu resultieren, dass einfach Tanktop-Schnitte umgeändert werden. Es ist sehr unangenehm, wenn die Schulterblätter zu Hälfte oder mehr mit Stoff bedeckt sind und der Bra außerdem unter den Armen zu hoch geschnitten ist.

3. Shorts (und Röcke)
Wenn ihr eure Jeans flach vor euch auf den Boden legt, sehr ihr, dass die hintere Seite höher reicht und die vordere in einem Bogen tiefer geschnitten ist. Das ist der korrekte Schnitt für eine Hose (egal welche Länge die Beine haben).

Und es gibt einen sehr guten Grund dafür: Wir haben nämlich hinten mehr Volumen zu bedecken als vorne. Deshalb muss da auch mehr Stoff hin. Ansonsten wird die Hose vorne immer zu lang wirken oder hinten nach ein bisschen Bewegung den Po entblößen.

Es ist eigentlich nicht so schwer, diese und ein paar andere Punkte (wie z.B. dass es sinnvoll ist, Bras mit doppellagigem Stoff herzustellen) zu berücksichtigen. Es genügt, sich ein paar Gedanken um die Menschen zu machen, die die Kleidungsstücke nachher tragen, und das, was sie in diesen Sachen machen wollen (z.B. Sport).

Ich würde mir wünschen, dass wir wegkommen würden von den unzähligen verrückten Designoptionen und es stattdessen mehr funktionale Sport(!)bekleidung geben würde. Natürlich wollen wir auch noch hübsch aussehen. Aber das eine schließt das andere nicht aus.

Ich bin gespannt, in was für Trainingssachen ich mein Team am Ende bringen kann. Bis dahin bleibt es erstmal beim guten alten T-Shirt. 😉

Wer Tipps und eigene Erfahrungen hat, bitte sehr gerne in den Kommentaren berichten! Vielleicht ist der entscheidende Hinweis dabei, der meinen Albtraum beendet. 🙂