Aufgeregt? Come on!

März 12, 2014 at 3:41 pm

Die Minuten bevor man endlich auf die Matte darf, sind wahrscheinlich die längsten im Leben eines Cheerleaders. Man steht hinter dem Vorhang, noch zwei oder drei Teams sind vor einem in der Schlange und das Herz klopft bis zum Hals. Gerne fragt man sich in solchen Momenten dann auch, wieso man sich das alles nur antut. Natürlich muss man auch eigentlich genau jetzt noch mal zur Toilette aber weil man nicht mehr weg darf, fängt man stattdessen an, sich zum zwanzigsten Mal die Schuhe neu zu binden.

„Kann ich das überhaupt? Ich glaub ich kann das gar nicht! Was, wenn wir droppen? Was, wenn ich plötzlich vergesse, wo ich hin muss? Was, wenn…“

Der Kopf ist wahlweise voll mit (zunehmend absurden) Fragen oder komplett leer gefegt. Die Nervosität vor einer Meisterschaft kann so weit gehen, dass selbst Cheerleader, die normalerweise im Training alles stehen, Fehler machen und Stunts droppen.

Aber was kann man dagegen machen und wie bereitet man sich am besten auf den Meisterschaftstag vor (abgesehen vom Training natürlich)?

1. Lass deine Nervosität im Vorfeld nicht die Oberhand gewinnen. 
Je näher die Meisterschaft rückt, desto öfter wirst du wahrscheinlich an den großen Tag denken. Versuch dabei aber, dich nicht zu sehr in deine Aufregung hineinzusteigern, sonst baut sie sich bis zum Meisterschaftstag so auf, dass du sie dort dann nicht mehr unter Kontrolle bekommst. Wenn du merkst, dass Nervosität aufkommt, beobachte sie und akzeptier sie aber halt sie nicht fest, indem du lange darüber nachdenkst. Es kann helfen, ein oder zwei innere Standardsätze dafür parat zu haben, die du dir dann selbst sagst, zum Beispiel: „Heute muss ich mich noch nicht um den Tag der Meisterschaft kümmern.“ oder „Ich bin gut vorbereitet. Um alles Weitere mache ich mich am Tag X Gedanken.“

2. Sei gut vorbereitet.
Sorg dafür, dass du am Meisterschaftstag mit genügend Zeitpuffer am Treffpunkt ankommst, um nicht noch zusätzlichen Stress zu schaffen. Iss etwas, auch wenn du vielleicht keinen Hunger sondern eher einen Knoten im Magen hast. Und nimm dir genug Essen und Trinken für den Tag mit (achte darauf, dass es halbwegs gesund ist und nicht zu schwer im Magen liegt). Wenn du schon weißt, dass dir die Aufregung eher den Appetit nimmt, dann sind Müsliriegel, Joghurtdrinks oder auch Energy-Gels und Co. nicht die schlechteste Wahl. Versuch etwas zu finden, was möglichst klein aber trotzdem nahrhaft ist, damit du den Tag über genug Energie hast.
Eine Packliste kann außerdem sehr dabei helfen, nicht permanent das Gefühl zu haben, etwas zu vergessen. Schreib sie in Ruhe einige Tage vor der Meisterschaft und geh sie am Abend vorher noch einmal durch und hake alles ab.

3. Akzeptiere die Aufregung.
Was jetzt vielleicht ein bisschen nach Küchentisch-Psychologie klingt, funktioniert tatsächlich ziemlich gut. Aufregung und Lampenfieber sind vollkommen normal. Du musst nicht versuchen, das Gefühl „wegzubekommen“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde dir das ohnehin nicht gelingen und das wiederum würde dich nur noch nervöser machen.
Akzeptiere, dass du nervös bist aber konzentriere dich nicht zu sehr auf das Gefühl. Meistens hilft es, wenn man sich bewusst macht, dass das Adrenalin dafür sorgt, dass du dich so fühlst. Nervosität ist nicht das selbe wie Angst! Nervosität kommt auf, wenn dein Körper sich auf die bevorstehende Aufgabe vorbereitet.

4. Kanalisiere das Adrenalin.
Anstatt krampfhaft zu versuchen, nicht aufgeregt zu sein, ist es viel sinnvoller, die Energie umzuleiten. Siehst du das Adrenalin als Hilfe deines Körper an, die maximale Leistung rauszuholen, fühlt sich das alles gleich schon nicht mehr ganz so beängstigend an. Lampenfieber ist also eigentlich dein Freund, nicht dein Feind.

5. Tief durchatmen
Wenn du das Gefühl hast, du wirst zu zittrig und das Adrenalin nimmt Überhand, konzentriere dich auf deinen Atem. Tief einatmen, kurz die Luft halten und dann langsam ausatmen. Mach das ein paar mal hintereinander und stell dir vor, wie bei jedem Ausatmen, ein Stück deiner überschüssigen Nervosität verfliegt.

6. Visualieren
Vielen hilft es, vor dem Auftritt noch einmal mit geschlossenen Augen die ganze Routine durchzugehen. Stell dir dabei jeden einzelnen Teil vor und zwar wie du ihn mit absoluter Perfektion ausführst. Je öfter du deine Traum-Routine durchgehst, umso mehr verankert sie sich in deinem Unterbewusstsein und gibt dir Ruhe.

7. Du bist nicht alleine!
Manchmal überwältigt einen die Angst vor der Verantwortung, die man für das Team trägt. Dann stehst du möglicherweise da und denkst „was, wenn ich einen Fehler mache und der Stunt droppt und wir verlieren deswegen?!“.  Wenn solche Gedanken kommen, stell dir ein großes rotes Stoppschild vor. Und direkt danach sagst du dir Folgendes:
„Ich bin nicht allein für den Stunt verantwortlich. Wir sind zu zweit/dritt/viert/fünft!“
„Wenn einer von uns einen Fehler macht, können die anderen das ausgleichen.“
„Ich vertraue meiner Stuntgroup, dass jeder seinen Job so gut wie möglich macht. Wir kriegen das hin.“
„Ich vertraue mir. Ich habe den Stunt x mal gemacht und mein Körper weiß, was er zu tun hat.“

8. Lächeln!
Und zwar nicht erst auf der Matte, wenn die Musik angeht. Auch wenn es sich noch so falsch und bescheuert anfühlt, ein leichtes Lächeln (egal wie erzwungen), beeinflusst tatsächlich deine Stimmung. Gut möglich, dass dir schon allein dieses kleine Detail dabei hilft, wieder in positive Gedanken zurückzufinden.

Und jetzt viel Spaß bei der nächsten Meisterschaft! Genieß die Zeit, irgendwann wirst du auf all diese Erfahrungen zurückblicken und stolz auf dich sein.

Stunt Saves

Februar 2, 2014 at 5:56 pm

Was ja eigentlich oft noch beeindruckender ist, als ein toller Stunt, ist ein Stunt, der fast gedroppt wäre, den die Stuntgroup aber irgendwie trotzdem oben gehalten hat.

Wie kriegen einige das so gut hin, während andere auf dem Boden landen?

Eigentlich braucht man dazu gar nicht so viele Vorraussetzungen:

1. Einen Flyer, der sein Ding durchziehen und im entscheidenden Augenblick angespannt bleiben kann, damit die Bases ihn wieder hochkriegen können.

2. Bases, die lieber kopfüber von der Bühne springen würden, als ihren Flyer den Boden berühren zu lassen.

Zum ersten Punkt: Diese Fähigkeit ist nicht angeboren. Man muss sie erlernen! Das bedeutet aber auch, dass man sie lernen wollen muss. Es reicht nicht, zu sagen „Ach ich würde so gerne auch so sicher weiterstunten, wenns wackelt, wie XY bei Cheer Athletics.“. Man muss auch bereit sein, die Arbeit dafür reinzustecken.
Ein guter Anfang ist es, sich viele viele Videos anzuschauen und sich abzugucken, wie andere sich in diesen Situationen verhalten. Ja und dann muss man anfangen es selbst auszuprobieren. Das erfordert Mut und Vertrauen in die Bases, denn natürlich ist es einfacher und bequemer, die beim ersten Wackler einfach hinzusetzen und runterzukommen als zu riskieren meterweit über die Matte zu wandern. Aber seien wir mal ehrlich: Flyer, die sich angewöhnt haben, sich ständig hinzusetzen, machen sich dabei nicht unbedingt beliebt bei ihren Bases, erst recht nicht, wenn die sich grade einen abgekämpft haben, um ihren Flyer oben zu halten.
Wichtig als Flyer ist es statt dessen, die Körperspannnung zu halten, damit die Bases einen wieder nach oben befördern können (mit einem Flyer, der ausfreakt, Knie einknickt und versucht, sich irgendwie zu retten, geht das nämlich nicht).

Zum zweiten Punkt: Eigentlich gilt hier erstmal das selbe wie für die Flyer, einen Stunt wieder hochzubekommen oder gar nicht erst runterkommen zu lassen, ist etwas, das man lernen muss.
Das Gute und gleichzeitig Schlechte für Bases ist, dass sie nicht alleine dafür verantwortlich sind, sondern meistens zu zweit oder dritt unter einem Stunt stehen. Gut, weil man sich gegenseitig aushelfen kann und schlecht, weil man sich halbwegs einig sein muss, was man tut.
Grundvoraussetzung wäre aber auf jeden Fall, dass man sich einig ist, den Stunt zu retten. Es gibt leider Bases, die einfach auf halbem Weg aufgeben und denken, dass der Stunt eh nicht mehr zu retten ist. Damit sabotieren sie aber ihre Mit-Bases und den Flyer, die im Zweifelsfall gerade alles geben, um den Stunt oben zu halten.
Eine wichtige Technik für Bases (gerade im Allgirl) ist es auf jeden Fall, die Beine zu benutzen. Während Männer einen Flyer vielleicht noch aus Armkraft herausdrücken können, ist das im Allgirl meistens schwieriger. Ein tiefer Ausfallschritt unter den Stunt (verbunden mit maximalem Kraftaufgebot aus den Armen) kann dabei Wunder wirken.

Fazit: Stunts zu retten kostet Kraft und Mut und Vertrauen in die anderen Mitglieder der Stuntgroup. Aber ein erfolgreich verhinderter Drop ist auch ein wahnsinnig gutes Gefühl und dafür lohnt es sich auf jeden Fall zu kämpfen.

Als Anschaungsmaterial haben wir hier mal ein paar schöne Stunt Saves zusammengeschnitten!

Warum deine Einstellung wichtiger als deine Technik ist.

Januar 12, 2014 at 5:45 pm

Hast du dich schon einmal gefragt, was einen Top-Cheerleader von einem Durchschnitts-Cheerleader unterscheiden und wie du selbst an die Spitze kommen kannst?

Mehr Muskeln? Bessere Technik? Ein besseres Team oder bessere Coaches?

Alles wichtige Punkte, die sicher weiterhelfen können aber nutzlos sind, solange die entscheidendste Schwachstelle nicht behoben ist: die eigene Einstellung.
Fragt man weltklasse Coaches, die das ganze Jahr nichts anderes tun, als um die Welt zu reisen und Teams verschiedenster Leistungslevel zu trainieren, wird klar, was für ihrer Meinung nach am wichtigsten für den Erfolg eines Sportler ist: Coachbarkeit.

Was bedeutet das?
Ganz einfach: Du kannst das größte Talent haben, wenn du nicht bereit bist, dich auf die Korrekturen und Anweisungen deiner Coaches einzulassen, wirst du in diesem Sport nichts Außergewöhnliches erreichen.

„Aber ich liebe Cheerleading und ich will wirklich, wirklich gut werden. Der Wille ist da!“
Okay, das ist ein wichtiger Schritt. Allerdings genügt es nicht, erfolgreich sein zu wollen. Jeder will das. Worauf es ankommt ist, ob du bereit bist, entsprechend zu trainieren und deine Prioritäten zu setzen.

Ein Beispiel: Wenn dein Trainer zu dir sagt „Du musst A, B und C in deiner Technik verändern und beim Konditionstraining mehr an deinen Bauchmuskeln und deiner Mittelkörperspannung arbeiten.“ und deine Antwort mit „Ja, aber“ anfängt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du höchstens mittelmäßig gut zu coachen bist recht hoch.
Wenn du im Konditionstraining bescheißt und zum Beispiel aus zehn Wiederholungen acht werden oder du meinst, dir noch Kraft fürs Stunten später aufsparen zu müssen, dann sabotierst du dich selbst. Wenn dein Coach dir eine Aufgabe gibt und du als allererstes sagst (oder denkst) „das kann ich nicht“/“da bin ich nicht gut drin“, dann bist du nicht gut coachbar.

Die aufgeführten Beispiele kennen wahrscheinlich die meisten. Und wenn man ehrlich zu sich ist, hat man sich selbst wahrscheinlich schon einmal so oder so ähnlich verhalten.

Die gute Nachricht ist: Du kannst daran arbeiten!
Der erste Schritt ist alle Sätze wie „Ich kann XY nicht.“ oder „Ja, aber…“ aus deinem Wortschaft zu streichen. Stattdessen fang an zu sagen „Okay, ich probiers.“, „Klar, warum nicht.“ und „Klingt gut, danke.“.
Deine innere Einstellung wird auch durch das beeinflusst, was du sagst. Das ist ein bisschen so wie man meistens wirklich bessere Laune bekommt, wenn man sich dazu zwingt, zu lächeln.

Aber natürlich ist es mit Worten allein nicht getan. Die sind nur ein Anfang. Wenn du in diesem Sport so viel wie möglich erreichen willst, dann musst du das, was deine Berater und Coaches dir an Korrekturen geben, im Prinzip so behandeln, als wäre es die Offenbarung selbst. Das bedeutet natürlich auch, dass du vertrauenswürdige Coaches brauchst. Wenn du jetzt feststellst, dass du dem, was dein Trainer sagt, eigentlich nicht wirklich Vertrauen schenkst, sondern die immer eher deinen Teil denkst, dann hast du nur zwei Möglichkeiten:

1. Ändere deine Einstellung und fang an, zu vertrauen.
oder
2. Such dir einen Coach, dem du vertrauen kannst.

In jedem Fall ist die erste Frage, die du dir stellen solltest, wenn du nicht da bist, wo du deiner Meinung nach verdient hättest zu sein: Bin ich überhaupt coachbar und wenn ja wie sehr?

Das schöne an dieser Frage ist, dass man zwar andere belügen kann, sich selbst aber nicht.

 

 

Wenn ein Skill plötzlich weg ist

November 28, 2013 at 5:03 pm

Bis vor ein paar Wochen hatte Steffie keine Probleme im Stunten, schon gar nicht mit Full Ups. Egal ob einfacher Full Up im Groupstunt oder 1.5 Up im Twobase, sie musste nicht drüber nachdenken. Der stand einfach.
Dann auf einmal hatte sie einen schlechten Tag. Der Full Up ging irgendwie immer schräg rüber, leicht nach vorne und leicht zur Seite. Der 1.5 Up ging noch ohne Probleme.
„Jeder hat mal einen schlechten Tag“, haben alle gesagt und das abgehakt. Aber es wurde irgendwie nicht besser. Die Full Ups gingen beim nächsten mal zwar nicht mehr zur Seite, dafür aber noch mehr nach vorne. Egal welche Bases drunter waren. Ein paar Tage später ging noch nicht einmal mehr eine Lib gerade hoch. Steffie war frustriert und sauer auf sich. Schließlich wusste sie, dass sie den Stunt eigentlich im Schlaf beherrscht hatte. Aber plötzlich hatte sie kein Gefühl mehr für das, was sie währenddessen machte. Und je mehr andere zu ihr sagten „Lehn dich nicht vor, bleib hinten!“ umso frustrierter wurde sie. War ja schließlich nicht so, als würde sie es mit Absicht machen oder nicht versuchen, was zu ändern.

Das was Steffie hier passiert ist, ist nicht selten. Es gibt wohl kaum etwas frustrierenderes im Cheerleading, als zu wissen, dass man einen Skill beherrscht aber aus unerfindlichen Gründen nicht in der Lage zu sein, ihn zu ziehen. Die betroffenen Personen fühlen sich dabei oft irgendwann einsam und unverstanden.

Aber schauen wir doch einfach mal genau hin, was Steffie hier passiert ist: Sie beherrschte einen Stunt aus dem FF, musste nicht mehr nachdenken, was sie zu tun hatte, um ihn zu stehen. Im Prinzip also das, wovon jeder Sportler träumt. Das Problem ist allerdings, dass dieser Zustand störanfällig ist. Wenn ein Cheerleader, nicht 100%ig zu jeder Zeit weiß, was er im Stunt wann und wie tun muss, sondern alles automatisch macht, kann ihn so ein schlechter Tag, wie Steffie ihn hatte, völlig aus dem Konzept bringen. Oft betrifft es Flyer aber durchaus nicht nur.
Der schlechte Tag, an dem es irgendwie nicht so klappt, säht Zweifel. Auch wenn man sich sagt, dass es beim nächsten Mal sicher wieder klappt… so ganz sicher ist man sich nicht. Und wenn die betroffene Person dann zu sehr anfängt, an sich zu zweifelt, kann diese Saat manchmal sehr schnell wachsen. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass derjenige plötzlich Angst spürt, es reicht, dass im Hinterkopf eine kleine Stimme permanent zweifelt. Im Versuch, das Problem zu überwinden, versucht man dann alles mögliche, schraubt an der Technik, wo man nur kann und verunsichert sich damit häufig nur noch mehr. In manchen Fällen kann es soweit gehen, dass selbst einfachste Skills nicht mehr gelingen, weil man sich so sehr unter Druck setzt, dass gar nichts mehr geht.

Was kann ich also machen, wenn ich in diese Situation zu geraten drohe und wie können Coaches und Teammitglieder helfen?

Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil wir natürlich alle unterschiedlich ticken. Es gibt aber ein paar Maßnahmen, die oft Erleichterung bringen. Und den Druck zu nehmen, ist manchmal das Beste, was man in so einem Fall machen kann, auch wenn es Zeit kostet. Je mehr Druck sich aufgebaut hat, umso weniger vertraut die betroffene Person ihren Fähigkeiten. Vertrauen ist aber wie jeder weiß der Schlüssel zu erfolgreichem Cheerleading. Vertrauen nicht nur darauf, dass die Bases den Flyer fangen, sondern gerade auch in sich selbst. Wenn nicht jede Person in einem Groupstunt durchzieht, wird der Stunt höchstwahrscheinlich nicht oder nicht gut stehen.

Oft hilft es, ein oder zwei Schritte zurück zu gehen und für eine Weile an einfacheren oder ganz anderen Stunts zu arbeiten, wenn man bemerkt, dass eine Person einen Knoten im Kopf entwickelt. Es bringt meistens nichts, sich in einen bestimmten Skill zu verbeißen und auf Teufel komm raus zu versuchen, den Fehler zu beseitigen.
Manchmal hilft es schon komplett andere Stunts zu machen. Wenn die dann stehen, kommt das Selbstvertrauen meist schnell zurück. Und wenn man sich vorher noch nicht zu lange an dem Problem-Stunt aufgehalten hatte, steht der kurz darauf auch wieder als wäre nichts gewesen.
Wenn das nicht der Fall ist, dann hilft es meistens wirklich, leichtere Stunts und Vorübungen anzugehen. Wichtig ist dabei, da nicht auch gleich wieder Druck aufzubauen, sondern gerade als Coach so gut es geht entspannt bleibt und kein großes Aufheben darum macht. Ein Coach und eine Stuntgroup, die sich nicht verrückt machen lassen und der betroffenen Person einfach das Gefühl geben, an sie zu glauben, können viel bewirken.

Es gibt natürlich auch Menschen, die unter Druck besser funktionieren und bei denen ein Stunt nach einer strengen Ansage vom Coach plötzlich steht. Allerdings lag da das Problem, wieso der Stunt vorher nicht stand meistens ein bisschen woanders und es war eher ein grundsätzlichen Zögern und halbherziges Stunten.

Wie so oft kommt es also darauf an, die Einzelnen einschätzen zu können. Mit etwas Erfahrung wird es aber meist gut gelingen, ehrliche Bemühungen und Frustration mit sich selbst von einer halbherzigen Einstellung zu unterscheiden.

 

 

 

 

Bin ich zu schwer um Flyer zu sein?

Oktober 23, 2013 at 12:00 pm

Eine der wohl meistgestellten Fragen von vor allem jungen Mädchen, die mit dem Cheerleading erst anfangen. Internetforen und Facebookseiten sind voll von Diskussionen darüber, wie viel man denn nun wiegen darf, um Flyer zu sein.

Vorab: Der Frage, warum so viele am Anfang ihrer Cheerleader-Karriere denken, Flyer sei die einzig wahre Position und ob sie damit richtig liegen werden wir uns in einem separaten Artikel widmen.

Jetzt aber zum Gewicht. Wir haben da mal eine Tabelle mit akzeptablen Größen- und Gewichtsverhältnissen erstellt…
Nein, haben wir natürlich nicht! Warum nicht? Weil es absoluter Unsinn wäre.

Gute Flyer brauchen Muskeln

Und mit Muskeln ist hier nicht ein schönes Sixpack gemeint, sondern wirklich Kraft in den Armen, Beinen, Schultern, Mittelkörper,… eigentlich überall.
Nur Flyer, die ihr Gewicht selbst halten können, sind in der Lage, sich wirklich abzudrücken, mit Kraft aufzustehen und ihre Körperpositionen zu halten. Wie oft sieht man spindeldürre Miniflyer, denen einfach das Knie einknickt oder die in der Luft herumwedeln, wenn der Stunt wackelt? Je mehr Kraft und damit Körperkontrolle ein Flyer hat, desto eher kann er den Stunt retten, indem er maximal angespannt bleibt.
Ein gut durchtrainierter Flyer wird automatisch mehr Gewicht auf die Waage bringen, als ein Flyer, der zum ersten Mal in seinem Leben Sport zu machen scheint.

Kleinmädchen-Syndrom

Wer Base ist und schon etwas länger Cheerleading macht, wird es sicher schon oft erlebt haben, das Kleinmädchen-Syndrom. Es trifft oft kleine und besonders leichte Flyer, die sich darauf ausruhen, dass alle ihnen sagen, wie klein und leicht sie sind.
Das Ende vom Lied ist dann, dass die Bases das Gefühl haben mit einer weichen Nudel zu stunten, die ihr Gewicht kein bisschen selbst hält, geschweige denn sich wirklich abdrückt und aufsteht.
Das kann soweit gehen, dass solche Flyer für ihre Bases wesentlich schwerer zu stunten sind, als diejenigen, die wissen, dass sie mitarbeiten müssen, weil sie nicht untergewichtig sind.

Das soll nicht heißen, dass kleine leichte Flyer keine guten Flyer sein können. Aber für sie gelten die gleichen Regeln, wie für alle anderen auch:

Was macht denn jetzt einen guten Flyer aus?

Ein guter Flyer ist wirklich gut gedehnt. Aber die beste Dehnung bringt nichts, wenn man nicht in der Lage ist, die Bodypositions zu halten. Dafür braucht man Kraft!
Allerdings helfen einem Dehnung und Kraft auch nur bedingt weiter, wenn man kein Gefühl für sich und seinen Körper in der Luft hat. Ein guter Flyer braucht also auch die Fähigkeit, seinen Körperschwerpunkt zu halten und zwar auch dann, wenn Bodypositions gezogen oder gewechselt werden (z.B. bei Ticktocks), bei Abgängen, bei Aufgängen, im Prinzip immer. Sobald der Flyer sich z.B. beim Ziehen eines Scorpions zur Seite oder nach vorne lehnt, fängt der Stunt an zu wackeln, die Bases müssen laufen und schon hat man sich einen Punktabzug eingefangen.
Für Baskets besonders wichtig ist außerdem die sogenannte Air Awareness, die Fähigkeit, seinen Körper in der Luft wahrzunehmen, also zu wissen, wann man wo ist, wenn man einen Backtuck oder Schwierigeres zieht.
Zu guter Letzt besonders wichtig: Ein guter Flyer braucht Mut und Vertrauen. Mut um neue Stunts auszuprobieren und Vertrauen sowohl in sich als auch in die Bases, um nicht mittendrin auszufreaken und abzubrechen. Ein zweifelnder, ängstlicher Flyer bedeutet oftmals ein stark erhöhtes Verletzungsrisiko für die Bases und letztlich auch für sich selbst. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ein Flyer in der Lage ist, sich auf den Punkt zu konzentrieren und sein Ding durchzuziehen.

Das alles sind nicht unbedingt angebohrene Fähigkeiten. Man muss sie trainieren. Das wiederum dauert natürlich seine Zeit. Insofern ist es völlig in Ordnung, wenn ihr neu seid und noch nicht alles davon beherrscht.
Wichtig ist nur, dass ihr nicht einer Zahl auf der Waage hinterher lauft oder euch darauf ausruht, denn das ist tatsächlich der unwichtigste Faktor von allen, wenn es darum geht ein guter Cheerleader zu sein.