Aufgeregt? Come on!

März 12, 2014 at 3:41 pm

Die Minuten bevor man endlich auf die Matte darf, sind wahrscheinlich die längsten im Leben eines Cheerleaders. Man steht hinter dem Vorhang, noch zwei oder drei Teams sind vor einem in der Schlange und das Herz klopft bis zum Hals. Gerne fragt man sich in solchen Momenten dann auch, wieso man sich das alles nur antut. Natürlich muss man auch eigentlich genau jetzt noch mal zur Toilette aber weil man nicht mehr weg darf, fängt man stattdessen an, sich zum zwanzigsten Mal die Schuhe neu zu binden.

„Kann ich das überhaupt? Ich glaub ich kann das gar nicht! Was, wenn wir droppen? Was, wenn ich plötzlich vergesse, wo ich hin muss? Was, wenn…“

Der Kopf ist wahlweise voll mit (zunehmend absurden) Fragen oder komplett leer gefegt. Die Nervosität vor einer Meisterschaft kann so weit gehen, dass selbst Cheerleader, die normalerweise im Training alles stehen, Fehler machen und Stunts droppen.

Aber was kann man dagegen machen und wie bereitet man sich am besten auf den Meisterschaftstag vor (abgesehen vom Training natürlich)?

1. Lass deine Nervosität im Vorfeld nicht die Oberhand gewinnen. 
Je näher die Meisterschaft rückt, desto öfter wirst du wahrscheinlich an den großen Tag denken. Versuch dabei aber, dich nicht zu sehr in deine Aufregung hineinzusteigern, sonst baut sie sich bis zum Meisterschaftstag so auf, dass du sie dort dann nicht mehr unter Kontrolle bekommst. Wenn du merkst, dass Nervosität aufkommt, beobachte sie und akzeptier sie aber halt sie nicht fest, indem du lange darüber nachdenkst. Es kann helfen, ein oder zwei innere Standardsätze dafür parat zu haben, die du dir dann selbst sagst, zum Beispiel: „Heute muss ich mich noch nicht um den Tag der Meisterschaft kümmern.“ oder „Ich bin gut vorbereitet. Um alles Weitere mache ich mich am Tag X Gedanken.“

2. Sei gut vorbereitet.
Sorg dafür, dass du am Meisterschaftstag mit genügend Zeitpuffer am Treffpunkt ankommst, um nicht noch zusätzlichen Stress zu schaffen. Iss etwas, auch wenn du vielleicht keinen Hunger sondern eher einen Knoten im Magen hast. Und nimm dir genug Essen und Trinken für den Tag mit (achte darauf, dass es halbwegs gesund ist und nicht zu schwer im Magen liegt). Wenn du schon weißt, dass dir die Aufregung eher den Appetit nimmt, dann sind Müsliriegel, Joghurtdrinks oder auch Energy-Gels und Co. nicht die schlechteste Wahl. Versuch etwas zu finden, was möglichst klein aber trotzdem nahrhaft ist, damit du den Tag über genug Energie hast.
Eine Packliste kann außerdem sehr dabei helfen, nicht permanent das Gefühl zu haben, etwas zu vergessen. Schreib sie in Ruhe einige Tage vor der Meisterschaft und geh sie am Abend vorher noch einmal durch und hake alles ab.

3. Akzeptiere die Aufregung.
Was jetzt vielleicht ein bisschen nach Küchentisch-Psychologie klingt, funktioniert tatsächlich ziemlich gut. Aufregung und Lampenfieber sind vollkommen normal. Du musst nicht versuchen, das Gefühl „wegzubekommen“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würde dir das ohnehin nicht gelingen und das wiederum würde dich nur noch nervöser machen.
Akzeptiere, dass du nervös bist aber konzentriere dich nicht zu sehr auf das Gefühl. Meistens hilft es, wenn man sich bewusst macht, dass das Adrenalin dafür sorgt, dass du dich so fühlst. Nervosität ist nicht das selbe wie Angst! Nervosität kommt auf, wenn dein Körper sich auf die bevorstehende Aufgabe vorbereitet.

4. Kanalisiere das Adrenalin.
Anstatt krampfhaft zu versuchen, nicht aufgeregt zu sein, ist es viel sinnvoller, die Energie umzuleiten. Siehst du das Adrenalin als Hilfe deines Körper an, die maximale Leistung rauszuholen, fühlt sich das alles gleich schon nicht mehr ganz so beängstigend an. Lampenfieber ist also eigentlich dein Freund, nicht dein Feind.

5. Tief durchatmen
Wenn du das Gefühl hast, du wirst zu zittrig und das Adrenalin nimmt Überhand, konzentriere dich auf deinen Atem. Tief einatmen, kurz die Luft halten und dann langsam ausatmen. Mach das ein paar mal hintereinander und stell dir vor, wie bei jedem Ausatmen, ein Stück deiner überschüssigen Nervosität verfliegt.

6. Visualieren
Vielen hilft es, vor dem Auftritt noch einmal mit geschlossenen Augen die ganze Routine durchzugehen. Stell dir dabei jeden einzelnen Teil vor und zwar wie du ihn mit absoluter Perfektion ausführst. Je öfter du deine Traum-Routine durchgehst, umso mehr verankert sie sich in deinem Unterbewusstsein und gibt dir Ruhe.

7. Du bist nicht alleine!
Manchmal überwältigt einen die Angst vor der Verantwortung, die man für das Team trägt. Dann stehst du möglicherweise da und denkst „was, wenn ich einen Fehler mache und der Stunt droppt und wir verlieren deswegen?!“.  Wenn solche Gedanken kommen, stell dir ein großes rotes Stoppschild vor. Und direkt danach sagst du dir Folgendes:
„Ich bin nicht allein für den Stunt verantwortlich. Wir sind zu zweit/dritt/viert/fünft!“
„Wenn einer von uns einen Fehler macht, können die anderen das ausgleichen.“
„Ich vertraue meiner Stuntgroup, dass jeder seinen Job so gut wie möglich macht. Wir kriegen das hin.“
„Ich vertraue mir. Ich habe den Stunt x mal gemacht und mein Körper weiß, was er zu tun hat.“

8. Lächeln!
Und zwar nicht erst auf der Matte, wenn die Musik angeht. Auch wenn es sich noch so falsch und bescheuert anfühlt, ein leichtes Lächeln (egal wie erzwungen), beeinflusst tatsächlich deine Stimmung. Gut möglich, dass dir schon allein dieses kleine Detail dabei hilft, wieder in positive Gedanken zurückzufinden.

Und jetzt viel Spaß bei der nächsten Meisterschaft! Genieß die Zeit, irgendwann wirst du auf all diese Erfahrungen zurückblicken und stolz auf dich sein.

Bin ich zu schwer um Flyer zu sein?

Oktober 23, 2013 at 12:00 pm

Eine der wohl meistgestellten Fragen von vor allem jungen Mädchen, die mit dem Cheerleading erst anfangen. Internetforen und Facebookseiten sind voll von Diskussionen darüber, wie viel man denn nun wiegen darf, um Flyer zu sein.

Vorab: Der Frage, warum so viele am Anfang ihrer Cheerleader-Karriere denken, Flyer sei die einzig wahre Position und ob sie damit richtig liegen werden wir uns in einem separaten Artikel widmen.

Jetzt aber zum Gewicht. Wir haben da mal eine Tabelle mit akzeptablen Größen- und Gewichtsverhältnissen erstellt…
Nein, haben wir natürlich nicht! Warum nicht? Weil es absoluter Unsinn wäre.

Gute Flyer brauchen Muskeln

Und mit Muskeln ist hier nicht ein schönes Sixpack gemeint, sondern wirklich Kraft in den Armen, Beinen, Schultern, Mittelkörper,… eigentlich überall.
Nur Flyer, die ihr Gewicht selbst halten können, sind in der Lage, sich wirklich abzudrücken, mit Kraft aufzustehen und ihre Körperpositionen zu halten. Wie oft sieht man spindeldürre Miniflyer, denen einfach das Knie einknickt oder die in der Luft herumwedeln, wenn der Stunt wackelt? Je mehr Kraft und damit Körperkontrolle ein Flyer hat, desto eher kann er den Stunt retten, indem er maximal angespannt bleibt.
Ein gut durchtrainierter Flyer wird automatisch mehr Gewicht auf die Waage bringen, als ein Flyer, der zum ersten Mal in seinem Leben Sport zu machen scheint.

Kleinmädchen-Syndrom

Wer Base ist und schon etwas länger Cheerleading macht, wird es sicher schon oft erlebt haben, das Kleinmädchen-Syndrom. Es trifft oft kleine und besonders leichte Flyer, die sich darauf ausruhen, dass alle ihnen sagen, wie klein und leicht sie sind.
Das Ende vom Lied ist dann, dass die Bases das Gefühl haben mit einer weichen Nudel zu stunten, die ihr Gewicht kein bisschen selbst hält, geschweige denn sich wirklich abdrückt und aufsteht.
Das kann soweit gehen, dass solche Flyer für ihre Bases wesentlich schwerer zu stunten sind, als diejenigen, die wissen, dass sie mitarbeiten müssen, weil sie nicht untergewichtig sind.

Das soll nicht heißen, dass kleine leichte Flyer keine guten Flyer sein können. Aber für sie gelten die gleichen Regeln, wie für alle anderen auch:

Was macht denn jetzt einen guten Flyer aus?

Ein guter Flyer ist wirklich gut gedehnt. Aber die beste Dehnung bringt nichts, wenn man nicht in der Lage ist, die Bodypositions zu halten. Dafür braucht man Kraft!
Allerdings helfen einem Dehnung und Kraft auch nur bedingt weiter, wenn man kein Gefühl für sich und seinen Körper in der Luft hat. Ein guter Flyer braucht also auch die Fähigkeit, seinen Körperschwerpunkt zu halten und zwar auch dann, wenn Bodypositions gezogen oder gewechselt werden (z.B. bei Ticktocks), bei Abgängen, bei Aufgängen, im Prinzip immer. Sobald der Flyer sich z.B. beim Ziehen eines Scorpions zur Seite oder nach vorne lehnt, fängt der Stunt an zu wackeln, die Bases müssen laufen und schon hat man sich einen Punktabzug eingefangen.
Für Baskets besonders wichtig ist außerdem die sogenannte Air Awareness, die Fähigkeit, seinen Körper in der Luft wahrzunehmen, also zu wissen, wann man wo ist, wenn man einen Backtuck oder Schwierigeres zieht.
Zu guter Letzt besonders wichtig: Ein guter Flyer braucht Mut und Vertrauen. Mut um neue Stunts auszuprobieren und Vertrauen sowohl in sich als auch in die Bases, um nicht mittendrin auszufreaken und abzubrechen. Ein zweifelnder, ängstlicher Flyer bedeutet oftmals ein stark erhöhtes Verletzungsrisiko für die Bases und letztlich auch für sich selbst. Deshalb ist es umso wichtiger, dass ein Flyer in der Lage ist, sich auf den Punkt zu konzentrieren und sein Ding durchzuziehen.

Das alles sind nicht unbedingt angebohrene Fähigkeiten. Man muss sie trainieren. Das wiederum dauert natürlich seine Zeit. Insofern ist es völlig in Ordnung, wenn ihr neu seid und noch nicht alles davon beherrscht.
Wichtig ist nur, dass ihr nicht einer Zahl auf der Waage hinterher lauft oder euch darauf ausruht, denn das ist tatsächlich der unwichtigste Faktor von allen, wenn es darum geht ein guter Cheerleader zu sein.